Ereignishorizont Digitalisierung - Singularität

Der Weg zur Singularität nach Ray Kurzweil

Die Geschwindigkeit des technologischen Fortschritts ist für Menschen heute kaum mehr greifbar. Zu viel passiert in zu kurzer Zeit in zu vielen Bereichen. Trotzdem muss man sich klar machen: Nie wieder wird technologischer Fortschritt so langsam sein wie heute! Denn vieles spricht dafür, dass technologischer Fortschritt exponentiell voranschreitet. Ist dies tatsächlich der Fall, kommt es irgendwann zur technologischen Singularität. Die Singularität ist dabei kein einzelner, bestimmter ZeitPUNKT, sondern eine ZeitPERIODE, in der Maschinen so intelligent werden, dass jeder weitere technologische Fortschritt nicht mehr vorhersehbar ist.

Der Weg zur Singularität: gestern, heute, morgen

In seinem berühmten Buch „The Singularity is Near” skizziert Ray Kurzweil, heute Leiter der technischen Entwicklung bei Google, sechs Phasen bzw. Epochen (vgl. Abbildung 1), die auf dem Weg zur Singularität durchlaufen wurden bzw. noch bewältigt werden müssen.

Abbildung 1: Sechs Epochen bis zur Singularität (Quelle: [1, S. 15]).

Laut Kurzweil befindet sich die Menschheit aktuell am Ende von Epoche 4und somit gleichzeitig auch am Übergang zu Epoche 5.

Was ist aber bisher passiert?

Epochen 1 bis 4: Die Entstehung des Menschen

In Epoche 1 führten universelle Gesetzmäßigkeiten der Physik und Chemie zur Entstehung grundlegender atomarer Strukturen und deren Zusammenwirken. Darauf aufbauend entstand in Epoche 2 erstes und später dann zunehmend komplexer werdendes biologisches Leben. Wesentlich für Epoche 2 war die Entwicklung der Fähigkeit, genetische Informationen in DNA-Molekülen zu speichern und im Rahmen einer Fortpflanzung weiterzugeben. Epoche 3 war dann durch die zunehmende Entwicklung kognitiver Fähigkeiten gekennzeichnet. Biologisches Leben wurde also immer komplexer und intelligenter. Der Mensch entstand. Kurzweil schreibt dazu: „The third epoch started with the ability of early animals to recognize patterns, which still accounts for the vast majority of the activity in our brains. Ultimately, our own species evolved the ability to create abstract mental models of the world we experience and to contemplate the rational implications of these models.“ [1, S. 16]

Diese Fähigkeiten bzw. mentalen Modelle nutzend begann der Mensch schließlich Technologien zu erfinden und zu entwickeln. Epoche 4 umfasst den bisherigen vom Menschen getriebenen technologischen Fortschritt („human-created technology“).

Immer wieder spannend und verblüffend:

Trägt man wesentliche Ereignisse dieser ersten vier Epochen in einem logarithmisch skalierten Schema auf, in dem die X-Achse die Zeit und die Y-Achse den zeitlichen Abstand zwischen wesentlichen Ereignissen anzeigt, entsteht nachfolgende Abbildung 2.

Abbildung 2: Die ersten vier Epochen logarithmisch skaliert (Quelle: [1, S. 17]).

Das entstehende lineare Bild der Entwicklung ist für Menschen einfach zu verstehen.

Skaliert man die Y-Achse jedoch linear (also nicht mehr logarithmisch), entsteht das Schaubild wie in Abbildung 3 zu sehen. Sofort wird ersichtlich, welche unglaubliche, exponentielle Entwicklung tatsächlich stattfindet!

Abbildung 3: Die ersten vier Epochen linear skaliert (Quelle: [1, S. 18]).

Epoche 5: Mensch und Maschine verschmelzen!

Epoche 5 ist nach Kurzweil durch eine Verschmelzung biologischen Lebens und maschineller Komponenten gekennzeichnet. Kurzweil schreibt dazu: „We will preserve and enhance the intelligence that evolution has bestowed on us while overcoming the profound limitations of biological evolution.“ [1, S. 21] Eine solche Verschmelzung kann dann auch als erstes Indiz für die beginnende Singularität verstanden werden, die in Epoche 6 erfolgt! 

Epoche 6: Das Universum wacht auf!

Die Epoche 6 ist die Singularität! Was aber genau in Epoche 6 passiert ist völlig unklar! Auch Kurzweil bleibt hier vage. Kurzweil sagt: “The Universe Wakes Up!” Und weiter: ”In the aftermath of the Singularity, intelligence, derived from its biological origins in human brains and its technological origins in human ingenuity, will begin to saturate the matter and energy in its midst. It will achieve this by reorganizing matter and energy to provide an optimal level of computation to spread out from its origin on Earth.“ Anders gesagt: Es können keine schlüssigen Prognosen mehr getroffen werden.

Video: Astrophysiker Andrew Siemion – Beyond the singularity.

Literatur

[1] Ray Kurzweil: „The Singularity is Near“. Penguin Books, 2006.

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